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Die Odysse auf dem indischen Subkontinent
oder eine kurze Geschichte einer langen Reise.
Es begann an einem Sonntag in den Iden des July und sollte eine einmalige Erfahrung werden.
Um 8:00 Uhr am Flughafen Düsseldorf, sollte ein Flieger mich nach Zürich bringen, wo bereits ein Größerer auf mich wartete, um pünktlich ins ferne Indien zu starten, wo mich folgendes erwartete.
24:00 Uhr Ortszeit Eintreffen Flughafen Delhi Indira Gahndi, wo ich bereits von einem Fahrer erwartet wurde, der mich in einer 5stündigen Kamikazefahrt in den Norden der Province Punjab katapultierte.
Hier angekommen standen wir im heftigsten Sturm meines kurzen Lebens um 6:00 Uhr in der Früh vor einem Hotel, welches um 7:00 Uhr die Türe öffnete.
Nach nunmehr fast 20 Stunden Reisezeit und einer Autofahrt, die mir die Angst vor dem Tod nahm, dachte ich an einen kurzen Moment der Ruhe in meinem Hotelzimmer. Und kurz war dieser Moment, denn bereits um 9:00 Uhr fühlte sich ein gewisser Ganesh berufen mich im schönen Indien begrüßen zu dürfen. Nach einem kurzen Geschpräch beschlossen wir uns auch persönlich kennenzulernen.
Nach insgesamt 4 Stunden Ruhe, nur unterbrochen durch einen Anruf von Ganesh und den unter meinem Fenster entlangfahrenden und ununterbrochen hupenden LKW`s, nicht zu vergessen,der andauernde grasshoper-Terror, brachte mich der Fahrer der vergangenen Nacht ins Werk zur ersten Besichtigung der Anlage, die ich hier in Betrieb nehmen sollte.
Mein Erstaunen war groß, als ich die angeblich angeschlossene Anlage als ein vor mir liegendes Trümmerfeld wahrnehmen mußte.
Im einzelnen bedeutet das :
Keinerlei Anschlüsse der Leitugen (loop,tank,drain)
Defekte EDI nicht augetauscht
Demontierte Rohrleitungen noch in Kartons verpackt
Schaltschrank stark beschädigt
Hutschinen von Mo-Platte abgerissen
Analogwandler aus Halterung gerissen
Seitenwand rausgebrochen
Insgesamt bleibt festzustellen, das vor meinem Eintreffen allem Anschein nach keinerlei Arbeiten an der Anlage vorgenommen wurden.
Dies sollte aber nicht die einzige Überaschung bleiben, denn auf meine Frage nach einer großen Alu-Kiste, die zwei Tage vor mir die Heimat verlassen hatte, konnte man mir hier nichts berichten.
Nun hieß es Schock bekämpfen, jede Art von Panik-Anfällen so gut wie möglich unterdrücken und keinem die in mir hochkommende Verzweiflung zeigen. Das war sicher der Zeitpunkt für „Freestyle“ , kein Zweifel!!!
Was war zu tun ? Handys funktionieren scheinbar nur in der Hauptstadt, das Firmennetz von Panacea war durch den Monsum zerlegt und Rauchzeichen kann man bis Deutschland nicht mehr sehen, wie man mir hier glaubhaft versichert hat, nachdem ein Angestellter mich daran hindern konnte das Firmengelände nieder zu brennen.
Also hat sich Ganesh mit mir in ein Auto ohne Klimaanlage gesetzt und ist mit mir und ca. 500C zu einer Hütte gefahren, von der erzählt wurde, da sei ein funktionierendes Telefon, und so war es. Also kurzer Bericht an den nicht überraschten (Kommentar: Das hab ich mir gedacht!) aber immerhin besorgten Projektleiter und schon wurde das Zittern weniger und das monotone, apatische Lächeln ging in einen „normalen“ Zustand über.
Zurück zum Werk und ersteinmal arbeiten,was auch immer da kommen mag.
Also habe ich mit Hilfe von etwa drei werksangehörigen Arbeitern und einem Einpeitscher angefangen die defekten EDI´s auszutauschen.
Nach dieser Arbeit gab es für mich nichts zu tun, außer einer Besprechung über die Dinge, die getan werden müssen, damit ich die Arbeit aufnehmen kann.
So begab es sich, das ich um ca. 17:00 Uhr wieder in meinem Hotel einfuhr und ich nicht die geringste Ahnung hatte, was man in Indien um diese Zeit so tut.
So beschloß ich, essen, schlafen, nächster Tag!
Der indische Dienstag erwachte und ich auch. 7:30 Uhr aus dem Zimmer, frühstücken und Hotelangestellte anbetteln, man möge mir ein Taxi besorgen, weil ich zur Anlage kommen mußte (glaubte ich). Um 8:30 Uhr im Werk angekommen erfuhr ich, das hier keiner vor 9:00 oder 9:30 Uhr anfangen würde.
Um 9:45 Uhr wurde mir dann mitgeteilt, das ich doch jeden morgen um 9:00 Uhr am Hotel abgeholt werde.
Nunden ich war ja da. Jetzt nichts überstürzen und ersteinmal schaun was meine Arbeiter denn so an der Anlage gerade machen.
Aber Arbeiter waren da keine, doch nicht schon um 10:00 Uhr, da bleibt doch keine Zeit in Ruhe wach zu werden.
Nun rückte ein denkwürdiger Augenblick immer näher, nämlich dieser Augenblick, der mein geliebtes S7-Programm von meinem Laptop eleminierte.
Es war ein kleiner KLICK für einen User aber ein großer BANG auf gleich zwei Kontinenten.
Die Kleinigkeit im S7 von der Sprache Deutsch auf Englisch umzuschalten, bedeutete das Aus aller Progrmmiererträume und das Ende eines so ausgereiften und betriebssicheren Programms wie dem Step 7 von Siemens.
Die gerade verflogene Panik macht Kehrt, war wieder da und fing an mir ihre Potenzen zu präsentieren.
Man kümmerte sich rührend um mein Problem, oder war es nur die Angst, vor einem Amog laufenden Europäer, der die so hochgelobten indischen Programmierer dazu bewegte sich meines Problems anzunehmen?
Aber was war geschehen, die Jungs haben es anscheinend auch nicht drauf.
Sollte unser Bunderkanzler denn so irren können?
Denn das mir eine .dll-Datei fehlte hatte ich schon ca. 4sec. nach auftreten der Schwierigkeiten rausgefunden. War nicht besonders schwer nach der Fehlermeldung „Mir fehlt .dll-Datei sowieso“.
Als mir 3 Std. später die Inder versichert haben, das diese .dll-Datei tatsächlich nicht da sein würde, fing ich doch wirklich an, der Fehlermeldung zu glauben.
Hilfe ,was tun ? (schon wieder?)Ach ja, ich hab ja einen Projektleiter!
„schick mir .dll pronto“!
Mittwoch: —Danke, die falsche!—
Nach langen Gesprächen mit Siemensexperten vor Ort, den firmeneigenen Fachleuten, der Hotline von Siemens in Deutschland und sogar mit Ralph Dimke, stand unumstößlich fest, das S7 Programm ist gestern gestorben und wird nicht wieder auferstehen.
Hilfe Projektleiter schick mir CD! Der Mittwoch ist um.Kurz noch den Bericht geschrieben, eine kleine Besprechung mit der indischen Firmenleitung und schon ist 18:00 Uhr Feierabend.
Donnerstag, der Tag beginnt. 8:40 Uhr steht der Wagen vor der Tür, 30 min. früher als gestern,wie soll sich ein Mensch darauf einstellen? Im Werk angekommen, wie sollte es anders sein beginnt die Wartezeit und ich verbringe sie tatsächlich mit Tee trinken. 10:00 Uhr ich erfahre gerade, mehr durch Zufall, das mein Ganesh heute garnicht kommt.
Schnell neue Taktik entwickeln. Ich jammere in die Runde mir unbekannter Menschen, die sich um meine Gebäck- und Konfekt-Ecke versammelt hat,
„ I need my tool`s“.
Kein Problem, müssen wir eben ein bischen telefonieren und danach einen Jungen der Telefonleitung hinterherschicken. Ah, da kommt ein Anruf für mich, es ist Jaspreet,Turban und Vollbard, „ich ruf jetzt beim Zoll an und frage nach.“, als ob ich das nicht schonmal gehört hätte. 12:00 Uhr noch nichts passiert!
Die Arbeiten an den Rohrleitungen gehen langsam weiter.
12:30 Uhr neue Informationen von Jaspreet, „Das Verbleiben der Alu-Kiste soll heute geklärt werden.“ Ganesh ist gerade eingetroffen und klärt das Verbleiben der Kiste nochmals.Kein Ende der Wartezeit in Sicht. Gääähn!
13:00 Uhr ich hab jetzt eine feste Zusage, das meine Kiste heute Nachmittag hier ankommen würde. Na da sind wir ja mal gespannt.
14:00 Uhr es gab Spagetti.-weiter warten!
Um 15:00 Uhr kommt Rajesh von der Geschäftsleitung und eröffnet mir, das heute hier nichts mehr passieren würde und wir doch jetzt zum Shopping in die Hauptstadt der Province fahren könnten. 16:00 Uhr war der Wagen organisiert, 17:00 Uhr waren wir mit drei Mann in Mitten einer pulsierenden von kleinen wahnsinnigen Motorroller-Fahrern ausgefüllten Stadt.
Als erstes quetschen wir uns also in so eine Art Dreirad-mit-Motor-Taxi und durchqueren den von mir schon beschriebenen Verkehr und landen schließlich an einem See, auf dem man Trettboot fahren kann. Auja!!
30 min.später hatten wir alle Drei keine Puste mehr und brachten das Boot mühsam zum rettenden Ufer zurück. Dann Stadtbummel, Zigaretten kaufen (!), Cola trinken und für Rajesh`s Frau zwei Kleider, weil sie sauer auf ihn ist.
21:00 Uhr setzt mich ein Taxi vor meinem Hotel ab und ich begebe mich im Laufschritt unter die Dusche. Ende Tag 4,nichts getan !
Freitag.Warum mache ich mir bloß solche Sorgen, nur weil mein Fahrer um 10:00 Uhr immer noch nicht am Hotel angekommen ist? Man muß sich hier sicher langsam auf das Wochenende vorbereiten und besser als eine Stunde später anfangen geht das wahrscheinlich nicht. Dann hören wir wohl auch zwei Stunden früher auf? Wir werden sehen.
Egal. 10:30 Uhr Ankunft im Werk. Ich gehe direkt zu Ganesh, er lächelt, sollte die Kiste angekommen sein? Nein, natürlich nicht, aber er erzählt mir, das sie jetzt in ihren Händen sei und heute am Nachmittag ankommen würde, da der Transport in der Nacht wegen der Polizeikontrollen nicht so sicher sei. Na bravo.
Allerdings scheinen die Arbeiten an den Rohrleitungen soweit abgeschlossen zu sein, so das wir anfangen könnten. Also heißt es heute ersteinmal wieder warten.
13:00 Uhr warum hat mich noch keiner zum essen abgeholt? Das wird doch wohl nicht ausfallen? Obwohl meine Verdauungsorgane mir heute morgen schon eindrucksvoll gezeigt haben, was sie von der indischen Küche halten.
13:30 Uhr Essen ist eingefahren.Jetzt warten auf Ganesh, vielleicht kann ich ja dann mit meinem Projektleiter telefonieren.
Yes, I can do it.
Kurze Lagebesprechung mit kaum neuen Ergebnissen.
Weiterhin warten auf die Alu-Kiste
Keine Spur von der S7 CD
!! Kann jetzt die RO spülen !!
Meine indischen Freunde haben es heute geschafft, die Verrohrung fertigzustellen und ich bin dadurch in der Lage über den Handbetrieb am PC-OP ein Überspülen der RO durchzuführen. Genau 2 min. danach war der Abfluß verstopft, weil eine Froschfamilie sich anscheinend mitten im Abfluß einen heftigen Kampf mit einer Schlange lieferte.Beide kamen aus dem besagten Abfluß heraus (Schock) und gingen wieder hinein. Zur Siegerehrung war ich allerdings nicht mehr anwesend.
Nach 30 min. war mit Schlauch-und Rohrresten ein provisorischer Abfluß gezimmert und wir konnten fortfahren. 16:30 Uhr Ende der Veranstaltung. Ich warte lieber auf die chemischen Zusätze, um Die Membranen in der RO nicht zu gefährden.
Es ist Freitagabend und ich sitze vor meinem Rechner und fasse das Kaos in Worte, das mich auf dieser Reise zu begleiten scheind. Aber vielleicht kommt heute noch etwas Abwechslung ins Spiel, denn zwei wichtig aussehende und ständig Fragen stellende Mitarbeiter der Firma meinten zu mir, ich müsse unbedingt indisches Bier probieren und sie würden sich sogar dazu opfern mir dieses Vergnügen zu Teil werden zu lassen.
Samstag 21.07.2001 Diesmal stand der Wagen um 8:30 Uhr vor der Tür!
Die geplante Sauforgie habe ich in Anbetracht der Zusage, das meine Kiste ohne Zweifel und auf jeden Fall heute hier ist, ausfallen lassen.
Jetzt ist es 9:00 Uhr und hier im Werk ist weder Ganesh noch meine Kiste zu finden.
9:30 Uhr ein Wunder !!! Kiste ist hier, Päckchen mit Ersatzteilen und CD ebenfalls eingetroffen. Ein Gefühl wie Weihnachten.
Ich fange sofort an, die Geschenke auszupacken und stelle fest, ich kann anfangen.
Also schließe ich ersteinmal die EDI`s an.Ich nehme mir die 5 Anschlußstücke aus der Kiste, um die 6 Verbindungen herzustellen.Na was fällt euch hier auf?
Richtig! Ein Anschluß zu wenig. Danke Simon. Aber nach ca. 1 Std. hat mein cubanischer Helfer es in mühevoller Arbeit geschafft, ein Anschlußstück aus einem alten EDI raus zu operieren. –Verbindungen fertig.
Jetzt noch ein bischen Wasser über die Anlage, alles dicht, erstes Erfolgserlebnis.
Kommen wir nun zu den Dosierpumpen. Hier stelle ich fest, das die Taktung aus der SPS erfolgt.Kein Problem, die CD ist ja angekommen.
Neuer Schock. Haben mir die Kolegen tatsächlich eine CD ohne ID_Nr. nach Indien geschickt.Danke, Danke, Danke.
Projektleiter anrufen und ID rausfinden. Installation kann ich auch abends im Hotel machen.
So stelle ich die Pumpen auf 1,2 und 0,4 l/h ein und mische die Chemie nach den Angaben auf meinen Unterlagen.
Nach einigen Telefonaten mit Simon, um einige Kleinigkeiten zu klären, wie z.B. die Redox-Messung funktioniert, oder wie das Handgerät für die Leitwertmessung arbeitet, ist der Tag schon wieder um.
Ich werde also in einen Kleinbus mit drei Cubanern gesetzt und ins Hotel gefahren. Dort angekommen steigen auch die Cubaner aus und meinen zu mir,es ist Samstagabend und da wird Bier getrunken. Was dann genau geschah, weiß wohl keiner mehr so genau, ich bin jedenfalls am nächsten morgen nicht mit einem Lächeln aufgestanden. Solche Kopfschmerzen hab ich noch selten erlebt. Es war allerdigs eine nette Party und mein Englisch wurde auch stündlich besser.
Dann begann der Sonntag. Was für ein grauenvolles Erwachen. Ich wurde um 9:00 Uhr von Ganesh abgeholt und ich habe es tatsächlich geschafft um 9:20 Uhr reisefertig zu sein. Aber Sonntags sollte man in Indien wirklich nicht arbeiten. Es gab hier keine Getränke außer Wasser, Hepatitis läßt grüßen. Das Mittagessen sollte ähnlich schlicht ausfallen, kein Wunder, wenn der Koch Sonntags frei hat.
Und dann diese mächtigen Kopfschmerzen. Welche Chemikalien die hier wohl ins Bier kippen? Egal, Augen zu und durch.
Ich habe heute mein S7 Programm erfolgreich installieren können und werfe nun einen ersten Blick auf ein mir zum größten Teil unbekanntes Programm.
Als erstes ändere ich die Taktung der Dosierpumpe, kein Akt. Dann nehme ich die Einstellung der Pumpe vor. Exakt 400 ml/h.
Die Jungs hier haben mir versprochen, am Montag das Wasser so aufzubereiten, wie es bei der Produktion auch ist. Soll heißen, es wird mit Chlor angereichert.
Die von mir in Auftrag gegebenen Messungen ergaben bei dem jetzt vorhandenen Wasser einen pH-Wert von 8,12 und einen Leitwert von 680 mS. Muß ich wohl meinen Projektleiter mal fragen, was diese Werte bedeuten.
17:00 Uhr Ankunft im Hotel, wo ich meine wohlverdiente Ruhe leider nicht kriegen sollte, weil in meinem Zimmer die Handwerker zugange sind, damit ich wieder Wasser bekomme und nicht wie vergangene Nacht im Nachbarzimmer duschen muß.
Ich werde mir jetzt noch einige Unterlagen zuführen und dann in die Horizontale.
Montag. Hallo liebes Tagebuch. Ich habe jetzt nicht mehr so viel Zeit, um alle Details berichten zu können. Soviel sei gesagt 10:00 Uhr ab Hotel fingen wir im Werk an, die Anlage im Automatikbetrieb zu testen. Die hier in der Vorproduktion angezeigten Werte, von bis zu 6000 l auf der Permeatseite kommen mir nicht ganz korrekt vor. Ich rufe also Simon und Ralph an um mich zu vergewissern. Im laufe der weiteren Versuche stellt sich heraus, das der Stadtwasserdruck nicht ausreichend ist und die geförderte Menge ebenfalls nicht genug ist. Nach Aufwendigen Umbauarbeiten in der Wasserzuführung :
Ausbau eines Filters
Ausbau eines Wärmetauschers
Auswechslung von Rohrstücken mit kleinerem Querschnitt
Kommen wir langsam dem von mir geforderten 2 bar Mindestdruck wärend der Produktionsphase immer näher, bis plötzlich kein Stadtwasser mehr da ist. Es ist genau 19:00 Uhr Feierabend. Zwichenzeitig soll noch erwähnt werden, das der Luftdruck ca. 30 min ausgefallen war, das ca 1 Std. die Spannung abgeschaltet wurde und das ebenfalls noch kein CO2 und kein Chlor auf der Anlage ist.
Dienstag, die Zeit wird knapp. Ich warte auf meine Mitarbeiter, die mir Stadtwasser besorgen müssen. Es ist 9:00 Uhr Step7 und pcAnywhere sind im OP-PC installiert, aber immer noch kein Wasser da. Ich arbeite an der Programmierung weiter.
10:00 Uhr Wasser ist angekommen, wir fangen mit den Tests an. Keine vernünftigen Resultate. Der Stadtwasserdruck fällt völlig ab. Der Leitwert nach RO unverändert bei 19,95 mS/cm.
Besprechung mit Ganesh und Cubanern, wie Probleme gelöst werden können. Anruf bei Simon, was ich noch tun kann? Rückruf nach einer halben Stunde.
Neuer Versuch, diesmal über EDI`s im Handbetrieb, um zu testen, ob sich ein Gegendruck aufbaut. Aber Zuleitungsdruck fällt weiterhin auf 0 bar ab. Keine Produktion möglich Temperatur durch Wärmetauscher ist auch nur gering gesunken.Es ist jetzt 15:00 Uhr und ich kümmere mich wieder um das SPS Programm, nachdem ich mit Simon besprochen habe, das Pasteurisationsprogramm aus Sicherheitsgründen erst bei der erneuten Inbetriebnahme aufzuspielen.
Die Ereignisse überschlagen sich. Stängig neue Ideen um den Druck zu erhöhen. 4 bar Leitungsdruck der Hauptwasserleitung werden mir jetzt vor die Druckpumpe gelegt, so erreichen wir 10 bar Eingangsdruck. Die Sache scheind zu Funktionieren. Alle meine ca. 12 ständigen Schatten fangen plötzlich an zu lächeln! Die Automatik schaltet auf die EDI`s . Nach 2 min stoppt die Anlage, 38oC ist zu viel. Dann der entscheidene Tipp (Versuch), das einfachste und billigste Ventil stellt sich als das alles entscheidende dar.Ich drossel den Durchfluß hinter der Hochdruckpumpe, was ich eigentlich nicht machen darf, weil der Druck für die RO dringend gebraucht wird (nicht wahr, Simon ?).
Wir legen jetzt am definitiv zu klein dimensionierten Wärmetauscher einen Bypass und siehe da, die Temperatur sinkt auf 28oC und mein Eingangsdruck bleibt stabiel bei 3 bar. Hura! Hura!
Kleine jetzt auftauchende Fehler in der SPS kann ich gleich im Hotel beheben. Es ist nämlich schon 20:00 Uhr und es gibt keine Beleuchtung in dem Raum wo unsere Anlage steht.Ich schließe im Dunkeln meine Arbeiten ab und werde um 21:00 Uhr hoffentlich im Hotel weiter arbeiten können.
Mittwoch, ein spitzen Mittwoch. Es ist Mitternacht und ich versuche kurz diesen beeindruckenden Mittwoch zusammen zu fassen. 8:00 Uhr stand mein Fahrer vor der Tür. Es geht also doch. Wir fangen direkt mit der Arbeit an, nach der Tasse Tee, versteht sich und siehe da es klappt.Einige Kleinigkeiten einstellen, hier ein Ventielchen gedreht, da eine Anzeige angepasst und die Anlage scheind zu laufen, als müßte es so sein.
Wir fahren 1 Std. Produktion, bis der Tank voll ist. Anlage geht wie gewünscht in den stand by Modus.
Also gehen wir alle, bis auf einige emsige Inder, brav zu unserer Portion Mittagsreis.
Dann der Schock, meine Anlage hat abgeschaltet. Keiner kann mir sagen, was passiert ist. Die Zuleitungspumpe ist wohl ausgefallen, vielleicht haben diese neugierigen Wichte auf meinem Display rumgespielt, keine Ahnung. Nur soviel, nichts geht mehr. Ich werde sauer. Es hatt irgendetwas mit den Durchflußmessern nach den EDI`s zu tun, keine Anzeige mehr. Das kann nicht sein, hat doch alles funktioniert. Wir testen die Geräte. Nächster Schock. Meine immer emsig blinkende SPS wird plötzlich dunkel, ich werde stocksauer, gleich werde ich einen dieser mir ständig im Weg stehenden Inder töten müssen, weil auch mein E-Plan verschwunden ist, ich flippe gleich total aus.
Ich rufe Ralph an, dessen Witze mich wieder auf normal sauer zurück bringen und dessen Tipp mir die Fehlersuche erleichtern. Eine Feinsicherung ausgetauscht, die jeder gute Elektriker natürlich im Reisegepäck mit sich führt, stimmt wirklich.
Ende vom Lied, die drei Durchflußmesser scheinen tatsächlich auf einen Schlag in den Himmel aufgefahren zu sein, ich schätze, durch die mich ständig nervenden Stromausfälle, sind durch Spannungsspitzen alle drei gleichzeitig zerschossen.
Es ist jetzt 21:00 Uhr keine Chance noch was zu retten. Ich hab zwar drei Ersatz-Durchflußmesser mitgenommen, man geht ja nicht ohne aus dem Haus, aber einen habe ich schon am Montag ausgetauscht, bleiben noch zwei, ist wohl einer zu wenig.
21:30 Uhr nettes Gespräch mit dem Direktor des Werks beim Abendessen im Hotel. Im Gegensatz zu mir bleibt der Kerl in Anbetracht der Probleme scheinbar ganz gelassen. Wir werden sehen, wie es morgen aussieht. 1:00 Uhr ich gehe in die Kiste.
Der Morgen beginnt, die Arbeiten ebenfalls, ich finde jetzt allerdings keine Zeit mehr, meinen Bericht zu vervollständigen. Nur soviel sei gesagt, ich habe das schöne Indien wieder lebend verlassen und eine einigermaßen funktionierende Anlage mit unterschriebenen Abnahmeprotokoll hinterlassen.
mfg W.P.
p.s. Ich war noch ein zweites Mal in Indien, um die Mängelpunkte zu beseitigen !!! Diese Geschichte würde allerdings den Rahmen hier völlig sprengen.......
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